Eine differenzierte Darstellung für Online-Händler

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Wenn sich die Bedingungen in der Umwelt über einen längeren Zeitraum hinweg ändern, passen wir uns an. Die aktuelle Corona-Krise hat bereits die Bedingungen verändert. Die Veränderung ist auf die außerordentlichen Maßnahmen zurückzuführen, die ergriffen wurden, um den Virus wirksam einzudämmen. Die von der Regierung erzwungene Abriegelung macht die soziale Distanzierung zur neuen Normalität. Sie hat zur Folge: Genügend Abstand zur nächsten Person zu halten, Masken zum Schutz anderer aufzusetzen und so wenig Kontakt mit anderen Menschen wie möglich zu haben.

Wenn man sein Geschäft online macht, muss man zunächst die Dynamik verstehen, die sich derzeit im Umfeld des E-Commerce Bereiches entwickelt. In Zeiten der sozialen Distanzierung ist das Internet zum ersten Anlaufpunkt für Menschen geworden. Menschen, die noch nie zuvor online bestellt haben, erstellen zum ersten Mal ein Konto, sei es auf Marktplätzen oder für den Einkauf von Lebensmitteln online, und geben ihre erste Bestellung auf. Der Online-Verkauf in bestimmten Kategorien wie bei Lebensmitteln und Haushaltswaren schießt derzeit in die Höhe. Es ist abzusehen, dass der E-Commerce-Markt durch Corona vorangetrieben und langfristig davon profitieren wird.

Zusätzlich zu den direkten Folgen wird die drohende Rezession Unsicherheit verbreiten. Die Kunden werden stärker abwägen, was sie kaufen, die Nachfrage nach Waren, die über den bloßen physiologischen Bedarf hinausgehen, wird sinken. Alle Warenkategorien werden voraussichtlich von den Einsparungen der Kunden betroffen sein, wie auch der OECD-Bericht über die ersten Auswirkungen von Corona auf die wirtschaftlichen Aktivitäten vorhersagt. Das folgende Schaubild skizziert die potenziellen anfänglichen Auswirkungen teilweiser oder vollständiger Lockdowns auf den privaten Konsum in den G7-Ländern:

Mit dieser Dynamik im Hintergrund müssen Unternehmen im Bereich E-Commerce an verschiedenen Fronten entlang der Lieferkette arbeiten, wie auch in dem kürzlich veröffentlichten McKinsey-Artikel über die Stärkung der Lieferkette in Zeiten von Corona dargelegt wird. Davon ausgehend sollten drei Aspekte berücksichtigt werden:

  1. Transparenz in der aktuellen Lieferkette schaffen
  2. Eine realistische Einschätzung der Nachfrage der Endverbraucher vornehmen
  3. Flexibilität bei Planung und Verträgen sicherstellen
1. Transparenz in der aktuellen Lieferkette schaffen

Angesichts der Probleme, die bisher während der Krise aufgetreten sind, muss die eigene Lieferkette überprüft werden. Dies zeigt sich an den Lieferengpässen chinesischer Lieferanten, der Priorisierung von Waren bei Amazon und den verlängerten Lieferzeiten aufgrund des hohen Auftragsvolumens. Der erste Schritt besteht darin, Transparenz zu schaffen und mögliche Alternativen zu finden, wobei die lokale Politik angesichts Corona und dessen Auswirkungen auf die Lieferkette zu berücksichtigen sind. Beispielsweise könnten die Hersteller durch vorübergehende Arbeitsunfähigkeiten von Mitarbeitern aufgrund von Krankheit oder Quarantänemaßnahmen behindert werden. Darüber hinaus sollte der Lieferprozess der eigenen Waren stärker in den Mittelpunkt gerückt werden. Dropshipping zum Beispiel verursacht derzeit eine gewisse Unsicherheit aufgrund eingeschränkter oder stillgelegter Fertigungs- und Logistikanlagen. Es ist wichtig, Transparenz für Ihr Online-Geschäft zu schaffen, dies aber auch durch frühzeitige Kommunikation an Ihre eigenen Kunden weiterzugeben.

2. Eine realistische Einschätzung der Nachfrage der Endverbraucher vornehmen

Die beiden Dynamiken, der positive Trend im E-Commerce Bereich und die zunehmende Verunsicherung des Endverbrauchers, müssen im Hinblick auf die eigenen Produkte mit berücksichtigt werden. Nutzen Sie neue Einblicke in Marktentwicklungen oder externe Datenquellen, um die Nachfrage in den kommenden Monaten realistischer einzuschätzen und bei zukünftigen Bestellungen entsprechend zu reagieren. Die Auswirkungen der Corona-Maßnahmen werden weitgehend von dem Umfang und der Dauer der nationalen Shutdowns abhängen. Zusätzlich hängt sie auch von der Effizienz und Schnelligkeit der bereitgestellten fiskal- und geldpolitischen Unterstützung ab.

3. Flexibilität bei Planung und Verträgen sicherstellen

Eine Möglichkeit, sich vor Nachfrageschwankungen zu schützen, besteht darin, den gesamten Planungsprozess dynamischer zu gestalten. Prüfen Sie Ihre Verträge mit Lieferanten, Kreditgebern und anderen. Machen Sie die Verträge so flexibel wie möglich, um unter diesen besonderen Umständen reagieren zu können und für zukünftige Krisen gut gerüstet zu sein. Unter anderem übt Corona auch Druck auf die Liquiditätsplanung aus. Daher sollte die Liquidität von beiden Seiten gestärkt werden: Nutzen Sie die Einkaufsfinanzierung, um in Ihren Aufträgen gebundenes Kapital freizusetzen, und nutzen Sie Factoring-Dienstleistungen, um in Forderungen gebundenes Kapital freizusetzen. Versuchen Sie, Ihr Working Capital so weit wie möglich zu minimieren, um Flexibilität zu gewinnen.

Die Corona-Krise zwingt jeden dazu, die eigene Lieferkette zu überprüfen, interne Prozesse zu hinterfragen und zu optimieren. Schaffen Sie Transparenz, für interne und externe Stakeholder. Bewerten Sie realistisch die zukünftigen Entwicklungen und schaffen Sie Flexibilität! All dies wird Ihnen helfen, nicht nur die aktuelle Herausforderung zu überstehen, sondern auch Ihre Widerstandsfähigkeit in der Zukunft zu stärken.

Hier könnt ihr den Originalbeitrag lesen.

Posted 
Apr 29, 2020
 in 
E-Commerce Trends
 category

More from 

E-Commerce Trends

 category

View All